Forschungsprojekt WirkJuBe-Personal

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) zielt auf eine grundlegende Neustrukturierung der Eingliederungshilfe. Dabei stellt die Bundesregierung neben der Autonomie und Partizipation gerade die Steuerung und Wirksamkeit der Hilfen in den Mittelpunkt der Gesetzesgestaltung. „Wirksamkeitskontrolle auf Einzelfall- und Vertragsebene sowie Verbesserung der Steuerung der Leistungen der Eingliederungshilfe, um die Leistungen im Rahmen der begrenzten Ressourcen effektiv und effizient zu erbringen und zur Verbesserung der Situation behinderter Menschen beizutragen“, sind erklärte Ziele des Gesetzesvorhabens. Die „Ausgabendynamik“ solle gleichzeitig gebremst werden.

Als Folge sieht der Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, in der vom Bundeskabinett am 28. Juni beschlossenen Fassung in § 128 „Wirtschaftlichkeits- und Qualitätsprüfung“ vor, „der Träger der Eingliederungshilfe oder ein von diesem beauftragter Dritter [prüft] die Wirtschaftlichkeit und Qualität einschließlich der Wirksamkeit der vereinbarten Leistungen des Leistungserbringers.“ Die unangekündigte Prüfung bezieht „Inhalt, Umfang, Wirtschaftlichkeit und Qualität einschließlich der Wirksamkeit der erbrachten Leistungen“ ein und erfolgt in der Regel „soweit tatsächliche Anhaltspunkte bestehen“, dass Leistungen nicht vereinbarungsgemäß erbracht werden. In der Begründung (S. 312 Gesetzentwurf zum BTHG, Stand 22.06.2016) wird die Möglichkeit eingeräumt, dass Bundesländer Prüfungen auch regelmäßig vereinbaren können. Zum Inhalt der Prüfung wird dabei insbesondere hervorgehoben: „Da eine unwirksame Leistung nicht wirtschaftlich sein kann, ist die Wirksamkeit der Leistung vom Prüfrecht erfasst.“ (ebd.) Als Prüfungsfolgen sind dann im Weiteren festgelegt: Vergütungsminderung und außerordentliche Vertragskündigung. In der Begründung zum § 129 wird ausgeführt, dies diene „nicht zuletzt auch den Interessen der Leistungsberechtigten“.

Parallel ist bereits heute zu beobachten, dass die in den Leistungsbeschreibungen der Leistungserbringer angesetzten Personalschlüssel zur Erbringung der zugesagten Leistungsqualität und Wirkungen nicht ausreichend empirisch unterlegt sind. In Entgeltverhandlungen werden die gesetzten bzw. bislang vereinbarten Personalschlüssel zunehmend angegriffen.
Bislang existieren aber keine eindeutigen Grundsätze und Maßstäbe für die Wirtschaftlichkeit und die Qualitätssicherung der Leistungen unter Einbezug der vertraglich erwarteten und tatsächlich erzielten Wirkungen. Eine Operationalisierung ist aber spätestens nach Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes ab 2018 zu erwarten.

An dieser Stelle sollte das Forschungsprojekt „Personalausstattung als Wirkfaktor in der Kinder-/ Jugendhilfe und Behindertenhilfe“ kurz „WirkJuBe-Personal“ ansetzen. Die hohe Qualität der Eingliederungshilfe wie der Kinder- / Jugendhilfe und die erwünschten Wirkungen bei den Leistungsempfängern sind nur bei einer auch empirisch nachweisbaren guten Personalausstattung zu erhalten und weiterhin zu sichern. Mit den Ergebnissen von „WirkJuBe-Personal“ werden Maßstäbe für eine hohe Qualität und Wirksamkeit empirisch belegt. Das Forschungsprojekt besteht dabei aus zwei Teilprojekten. Ein Teilprojekt hat den thematischen Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe und trägt den Untertitel "WirkJuBe-Hilfeplanung". Das Forschungsprojekt läuft seit Juli 2017. Das andere sollte den Schwerpunkt Behindertenhilfe haben. Das Teilprojekt Behindertenhilfe ist bislang noch nicht gestartet. Viele Träger der Behindertenhilfe signalisierten ihr Interesse an einer Mitarbeit. Aufgrund der vielen gesetzlichen Veränderungen steht eine ausreichende Beteiligung aber noch aus. Daher suchen wir als Initiative Zukunft der Sozialwirtschaft zusammen mit dem für die Forschung vorgesehenen IKJ aus Mainz nach anderen geeigneten Wegen, das Vorhaben zu finanzieren und durchzuführen. 

Im Folgenden ist der nach wie vor bestehende Forschungsansatz nachzulesen. Bei Interesse an einer Mitarbeit, melden Sie sich bitte per E-Mail an kontakt@izds.de.

Worum geht es bei dem Forschungsprojekt?

Im Projekt „WirkJuBe-Personal“ wird die Personalausstattung als zentraler Wirkfaktor in der Behindertenhilfe bzw. Kinder- und Jugendhilfe untersucht und nachweisbar werden. Ziel ist es,

  • ein wissenschaftlich abgesichertes Instrument zur Wirkungsbestimmung für den Zusammenhang zwischen Leistungsqualität und Personaleinsatz zu erhalten.
  • den teilnehmenden Einrichtungen der Behindertenhilfe eine Grundlage für die Ausgestaltung des im BTHG bereits gesetzlich vorgesehenen Controllings in der Eingliederungshilfe zu liefern und damit die Grundlage für eine langfristige Sicherung ihrer Angebote. Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe erhalten ebenfalls Daten für ein fachliches Controllingverfahren, das auch auf sie im Zuge der von der Bundesregierung vorbereiteten grundlegenden Reform des SGB VIII als Träger von Jugendhilfeleistungen zukommen wird.
  • die Notwendigkeit der zu verhandelnden Personalschlüssel zur Erzielung des von den Kostenträgern gewünschten Erfolgs durch empirisch belegte Daten nachweisbar zu machen. Damit wird die Position der Einrichtungen bei Verhandlungen über Leistungen und Entgelte gestärkt. Für Entgeltverhandlungen wird eine erweiterte Sachebene bereitgestellt.
  • beteiligten Einrichtungen eine Basis für einrichtungsinterne Qualitätsentwicklung an die Hand zu geben.

Wer ist Zielgruppe des Projektes?

Ist das Teilprojekt WirkJuBe-Personal Behindertenhilfe auch für Jugendhilfeträger von Interesse und umgekehrt, die Ergebnisse des Teilprojektes WirkJuBe-Hilfeplanung Kinder-/Jugendhilfe auch für die Behindertenhilfe?

Das Bundesteilhabegesetz wird die Kontrolle der Qualität der Leistungserbringung für die Behindertenhilfe verbindlich vorschreiben ohne dass Standards, Messgrößen etc. bereits gesetzlich normiert sein werden. Die Festlegung von Standards und Messkriterien wird untergesetzlich erfolgen. Darauf werden Erfahrungen und Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Forschung, wie das Forschungsprojekt „WirkJuBe - Personal“ erheblichen Einfluss haben. Das wird voraussichtlich auch auf die "Große Lösung", also die Zusammenführung der bisherigen Kinder-/Jugendhilfe und der Behindertenhilfe für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter dem Dach eines stark veränderten SGB VIII ausstrahlen. Bei einer  Zusammenführung der Leistungen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung in einem Sozialgesetzbuch VIII wird eine Operationalisierung von eindeutigen Grundsätzen und Maßstäben für die Wirtschaftlichkeit und Qualitätssicherung der Leistungen für behinderte Kinder und junge Menschen auch im Bereich der bisherigen Kinder- und Jugendhilfe Einzug halten.

Für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die zukünftig auch Angebote für junge Menschen mit Behinderung im Rahmen der „Großen Lösung“ neu anbieten wollen, sind die Ergebnisse des Teilprojektes Behindertenhilfe ebenso interessant wie die des Teilprojektes Kinder- und Jugendhilfe für Einrichtungen der Behindertenhilfe, die ihre bisherigen Angebote für junge Menschen mit Behinderung auch zukünftig, dann aber unter dem Dach des veränderten SGB VIII, der „Großen Lösung“ fortführen möchten.

Alle Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sind gut beraten, sich frühzeitig auf eine stärkere Wirkungssteuerung im SGB VIII vorzubereiten.

Der Nutzen für teilnehmende Einrichtungen

Mit den Ergebnissen aus dem Projekt erhalten die teilnehmenden Einrichtungen:

  • eine empirisch belastbare Grundlage für Verhandlungen mit Kostenträgern über Personalausstattung und die damit zusammenhängenden Leistungsentgeltbestandteile,
  • eine differenzierte und transparente Darstellung der Leistungsqualität und des damit verbundenen Erfolgs, die auf einer systematischen und validen Erfassung basiert,
  • Hinweise zur Erkennung eigener Stärken und möglicher Verbesserungspotentiale unter dem Aspekt des Qualitätsmanagements,
  • ein Profil, welches im Rahmen eines geschützten Benchmarkings dem Vergleich mit anderen Einrichtungen dienen kann,
  • eine Grundlage für eine wirkungsorientierte Hilfeplanung.

Teilnehmende Einrichtungen profitieren von der Chance, vorneweg mit dabei zu sein, wenn das neue BTHG in die Umsetzung gelangt und die von der Bundesregierung geplante Neuausrichtung des SGB VIII gegen alle Widerstände aus Fachkreisen zeitnah greifen wird. Sie verfügen als erste über eine empirisch untermauerte Grundlage für die eigene Personalbemessung – wie auch im Vergleich zu anderen beteiligten Einrichtungen. Sie bestimmen den Diskurs zur Ausgestaltung der gesetzlich festgelegten Wirksamkeitskontrolle mit.

Einbezogene Hilfe- und Angebotsformate

Angestrebt wird in beiden Teilprojekten jeweils eine Mischung aus stationären und ambulanten Plätzen sowie verschiedener Behinderungs- bzw. Hilfearten (geistig, psychisch).

Forschungsdesign und Datenerhebung

Die Datenerhebung erfolgt mittels eines elektronischen Fragebogens. Dieses Instrument erfüllt die notwendigen wissenschaftlichen und testtheoretischen Kriterien. Es ist gleichzeitig in den Workflow vor Ort integrierbar.

Das Forschungsdesign ist dabei an den internationalen Standards zur Wirkungsmessung ausgerichtet. Es wird ein Prä-Post-Design mit zwei Erhebungszeitpunkten gewählt. Die Effektivität wird durch die Messung der Teilhabe erfasst. Dies geschieht auf der Basis des international anerkannten Capability-Approaches. Ergänzend werden zentrale Struktur- und Prozessaspekte erfasst.

Wer ist für das Forschungsprojekt vorgesehen?

Das Forschungsprojekt wird vom renommierten IKJ Institut für Kinder- und Jugendhilfe gGmbH in Mainz durchgeführt.

Weitergehende Informationen

Für weitergehende Informationen und/oder bei Interesse an einer Teilnahme kontaktieren Sie Herrn Dr. Michael Seligmann - Geschäftsführung IZdS - per E-Mail: kontakt@izds.de oder telefonisch unter 0251-77793131.

 

von Dr. Michael Seligmann

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