Forschungsprojekt „WirkJuBe“ interner Auswertungsworkshop

Ende Februar, genau am 20.02.2019, arbeiteten Fachkräfte aus neun der insgesamt 14 am Forschungsprojekt beteiligten Träger der Erziehungshilfe in Rietberg mit den ersten Auswertungsergebnissen unseres Forschungsprojektes.  Andrea Keller vom Institut Kinder- und Jugendhilfe als durchführender wissenschaftlicher Forschungseinrichtung präsentierte die Ergebnisse.

Ziele des gemeinsamen internen Workshops war, in einen ersten Ergebnisaustausch zu kommen und mit einer gemeinsamen Bewertung des Verlaufs sowie der bis zum Workshop vorliegenden Ergebnisse zu begonnen. Da die präsentierten Ergebnisse noch vorläufigen Charakter hatten, können sie an dieser Stelle nicht näher dargestellt werden.

Interessant aber waren die eingesammelten Rückmeldungen zum Verlauf des Forschungsprojektes und zu ersten Auswirkungen auf die Arbeit bei den Erziehungshilfeträgern:

Kritisch gesehen wurden insbesondere die EDV-technischen Schwierigkeiten insbesondere in der langen Startphase. Diese hing zwar mit einem Umstieg auf die Plattform einer niederländischen Software-Forma zusammen. Dieser Umstand aber bot in der alltäglichen Arbeit wenig Trost, wenn die Plattform zunächst an verschiedenen Stellen immer mal wieder hakte.  Die Diskussion unter den Trägervertretungen zeigte hier einen klaren Ausweg auf: Gewünscht wird eine Integration der Dokumentationstools in bereits laufende Softwareanwendungen wie z.B. das QM-Center von Daarwin oder andere eingesetzte Standardanwendungen im Bereich der Jugendhilfe. Zudem sollte bei zukünftigen Bearbeitungshinweisen darauf geachtet werden, realistische Bearbeitungszeiten anzugeben, die insbesondere bei der Einführung immer längere Zeiträume benötigen werden.

Zugleich ergab die Diskussion um den Einarbeitungsaufwand auch einen positiven „Neben“effekt: Gerade zu Beginn gilt es, sich unter allen Fachkräften auf ein einheitliches oder zumindest einheitlicheres Verständnis bestimmter Dokumentationskategorien zu einigen. Solche Verständigungsprozesse haben bei dem einen oder anderen Träger auch dazu geführt, noch einmal über pädagogische Haltungen zu reflektieren.

Positive Effekte

Die in den Frage- und Dokumentationsbögen eingesetzten Capabilities-Kategorien waren für viele der pädagogischen Fachkräfte der Erziehungshilfe wenig bekannt oder zumindest für die Anwendung in der eigenen Arbeit noch nicht gebräuchlich. Verschiedene Teilnehmende des internen Workshops berichteten über wertvollen Nutzen dieser Capabilities-Kategorien für die eigene pädagogische Reflektion und die Veränderung der eigenen Betrachtungsweise.  

Sie ermöglichten den Fachkräften einen „Blick auf das Wesentliche“, die Fähigkeiten der Adressaten. Damit veränderte sich auch die Herangehensweise an Hilfeplanprozesse. Zumindest im intensiver angelegten Austausch mit kleineren Jugendämtern leisteten die Fragebögen eine gute Grundlage, sich über Stand und Weiterentwicklung des jungen Menschen miteinander auszutauschen. Aus diesen Erfahrungen heraus wurde betont, Capabilities-Kategorien zukünftig in Fallakten zu integrieren, um so diesen Austausch systematischer angehen zu können.

Schließlich wurde sehr positiv hervorgehoben, mit Kindern und Jugendlichen auf Basis der Capabilities-Fragebögen ins Gespräch über die Einschätzungen zu gehen, diese kooperativ festzulegen, Integriert in das WirkJuBe-Tool gab es auch die Möglichkeit von Befragungen der Kinder/Jugendlichen/Eltern zu ihrer Sichtweise.

Nächste Schritte

Am 16. Mai 2019 sind die Ergebnisse auf einer Fachtagung in Bielefeld vorgestellt und in den Diskurs zur Wirkungsforschung gestellt worden. (Bericht folgt) Alle beteiligten Träger erhalten auf Wunsch einen einrichtungsspezifischen Datenbericht und eine mündliche Erläuterung dazu. Der Abschlussbericht wird voraussichtlich im Herbst 2019 veröffentlicht werden.

von Dr. Michael Seligmann

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