Cash für gesellschaftlich erwünschte Wirkungen statt für den Einzelfall

In der nicht ganz kurzen Geschichte zur Messung von Wirkungen läuft der Gesamtdiskurs Gefahr, allein für gesellschaftlich erwünschte Wirkungen Finanzmittel bereitzustellen und nicht für im Einzelfall notwendige, nützliche, geeignete Hilfen. Das ist eine der zusammengefassten Aussagen von Prof. Norbert Wohlfahrt in seinem Vortrag zu „Wirkungen messbar machen? Zu einigen Konsequenzen des aktuellen Wirkungsdiskurses“ am 16. Mai 2019.

Probleme der Wirkungsmessung liegen darin, dass sie Geldströme legitimieren sollen und dadurch „professionstypische Relationierung beruflichen Handelns (also einer durch Fachlichkeit bestimmten „Wirkung“) zurückdrängen zugunsten einer quantitativ und monetär bestimmten Wirksamkeit, die wiederum als guideline erfolgreichen (privaten) Investments fungieren soll.“ Die Folge: die „relative Autonomie der Leistungserbringer“ wird eingegrenzt und auf „höhere Wirtschaftlichkeit“ ausgerichtet.

Wirkungsorientierung versucht längst nicht mehr, Regelungsinstrument für Kostenträger mit zu knappen Kassen zu sein sondern ist als alleiniges Bilanzierungsinstrument von den zugrunde liegenden gesellschaftspolitischen und sozialstaatlichen Rahmenbedingungen entkoppelt worden. Soziale Interventionen werden zunehmend von ihrem Ende, dem Ergebnis her betrachtet und weniger vom Prozess aus.

Fazit

„Das Insistieren auf der Messbarkeit und quantitativen Vergleichbarkeit von Wirkungen unterstellt die mit der Finanzierung gesetzten Ziele als nicht mehr hinterfragbare Vorgabe für die handelnden Dienste und Einrichtungen und ihr Personal. Es geht um die Erfüllung vorgegebener Quoten, die der Steuerung von Finanzinvestitionen dienen. ... Entscheidend ist nicht mehr die auf das Subjekt bezogene bedarfsorientierte Hilfeleistung, sondern die auf die Gesellschaft bezogene Produktion.“

von Michael Seligmann

Die Folien des Vortrags sind an dieser Stelle herunterzuladen.
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von Dr. Michael Seligmann

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