Teilhabeorientierte Wirkungssteuerung - nur mit echter Partizipation

Welche Wirkungen sind eigentlich erwünscht und wer bestimmt dies und damit auch die Wirkungsziele? Auf diese Frage wird vor allem eine Antwort der Adressat*innen benötigt, denn die Messung von Wirklichkeit etwa mit Hilfe „geeigneter“ Indikatoren bildet diese nicht ab sondern konstruiert lediglich ein Abbild. Und die Kontrolle mit Hilfe dieser Indikatoren verbessert noch keine Wirkung. Damit eröffnete Stefanie Albus, Forscherin von der Universität Bielefeld ihren Vortrag „Die Vermessung der Partizipation – Implikationen einer teilhabeorientierten Wirkungssteuerung“ am 16. Mai 2019.

Partizipation betrachtet sie dabei in vier Dimensionen sowohl auf der einen Seite Wirkfaktor wie auf der anderen Seite zugleich Wirkungsziel zu sein. Wenn Beteiligung die Qualität der zu erbringenden Dienstleistung sichern hilft, ist dies ein Aspekt des Wirkfaktors Partizipation: das erfordert häufig auch ein Umdenken der Fachkräfte, die wiederum angewiesen sind auf eigene „innerorganisatorische“ Beteiligungsmöglichkeiten, um überhaupt Partizipationschancen für Adressat*innen anbieten zu können.

Wo und wie aber ist die aktivierende Beteiligung zu organisieren. Herauszuheben sind die Hilfeplangespräche als „Ort und Instrument der Responsibilisierung von Adressat*innen“. Dabei droht die „Zwangs“beteiligung, mit der sich die Verantwortung der Fachkräfte zunehmend auf die Adressat*innen verschiebt, die sich zu beteiligen haben. Die Fokussierung auf „s.m.a.r.t.e. Zielformulierungen trägt zu einer Verflachung von Zielen bei“ und zugleich auf Veränderungsbereitschaft (und -fähigkeit) der Adressat*innen selbst (und weniger auf die gemeinsame Gestaltung eines Prozesses. Letztlich sollte die Fallgrube „Zielformulierung“ dabei genau beobachtet werden, deren „Interpretationsoffenheit“ zu Willkür in der Beurteilung von Zielerreichung führen kann.

Eine Implikation des „Inklusions“-Diskurses ist, die Ungleichheiten unter den „Inkludierten“ aus dem Blick zu verlieren, da die „Inklusion“ allein schon Ziel genug ist. Problematischer wird es, wenn die „Zwangsinklusion in bestimmte gesellschaftliche Systeme (Schule, Arbeitsmarkt, Familie) nicht unbedingt in erster Linie den Interessen der Adressat*innen  sondern eher einem volkswirtschaftlichen Nutzen“ entspricht.

Die Ausrichtung an „Capabilities (Verwirklichungschancen) als Befähigung der Individuen, ihre Vorstellung vom guten Leben realisieren zu können“ wird daher befürwortet: „Eigene Präferenzen sind Ausgangspunkt für die Realisierung bestimmter Lebensweisen, nicht Teilnahmezwänge oder Teilhabeerwartungen Dritter“.

Fazit

„Teilhabeorientierte Wirkungsmessung kann die Qualität von Leistungen in der Jugend- / Eingliederungshilfe steigern, wenn …

  • … sie einen breiten Blick auf Strukturen und Prozesse als Voraussetzungen von Teilhabe ermöglicht
  • … sie den Blick auf die Situationen, Wünsche und Bedürfnisse der Individuen schärft
  • … sie nicht als Instrument zur Standardisierung der Praxis eingesetzt wird
  • … ihre Nützlichkeit immer wieder kritisch beleuchtet wird!

Die Folien des Vortrags sind an dieser Stelle herunterzuladen.
[Link]

von Dr. Michael Seligmann

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